Die Informationsgesellschaft
Die meisten hochentwickelten Industriestaaten haben eine Transformation von der
Dienstleistungsgesellschaft zur Informationsgesellschaft durchlaufen. Oft spricht man auch von
Wissensgesellschaft.
Grundlegende Kategorien und Ausprägungen sind:
Wirtschaftlich: Information als Produktionsfaktor, Schwerpunkt Forschung und Entwickung
Technisch: Informations- und Kommunikationstechniken
Sozial: Repräsentation der Person über verfügbare Information, nicht über Geburt oder Beruf
Aktiver Rezipient, nicht passiver Konsument von Information
Neue Grenzziehung von privatem und öffentlichem Raum
Neue soziale Netzwerke über das Internet
Globalisierung: grenzüberschreitende Kontakte
Entwicklungsdynamik: Innovation
Wissen: Bedeutung von Expertise, Informationsüberflutung
Bildung/Ausbildung der Person: Erziehung zur Mündigkeit, lebenslanges Lernen
Arbeitsorganisation: dezentrale, kooperative und flexible Telearbeit
Raum: Überbrückung großer Distanzen
Freizeit: Surfen, Onlinespiele
Verwaltung und Recht: Bürgerinformation
Kultur: Weltgesellschaft, Kosmopolitismus
Militär: Eloka, C3I (Command, Control, Communikation, Computer and Intelligence)
ND: OSINT, Einsatz von Computern
Ökologisch: weniger Verbrauch von sog. Natürlichen Ressourcen
Medien: interaktive Medien
Wissenschaft: Schwerpunkt auf Innovationen
Grundlagen der Information
Der Begriff „Information"
In der Alltagssprache hat der Begriff der Information folgende synonyme Bedeutungen
-Aufklärung
-Äußerung
-Auskunft
-Belehrung
-Daten
-Erkenntnis
-Hinweis
-Kenntnis
-Meldung
-Mitteilung
-Nachricht
-Unterrichtung
Die Begriffe Aufklärung, Meldung und Nachricht sind nun aus der militärischen und
nachrichtendienstlichen Fachterminologie. Der Begriff Erkenntnis wird vom deutschen
Verfassungsschutz als Bezeichnung für ein Aufklärungsergebnis verwendet. Der Begriff
Hinweis und Auskunft findet sich in der polizeilichen Fachliteratur.
Im folgenden werden nun die grundlegenden Strukturelemente und Kategorien rund um den
Begriff der Information dargelegt. Dabei wird die Informationsübertragung (insbesondere die
Kommunikation) mit berücksichtigt.
Bei der Information kann zunächst hinsichtlich der Materialität unterschieden werden in
Signal und Zeichen. Das Signal ist die materielle Repräsentation der Information, so z.B. die
Druckerschwärze auf dem Papier oder der binäre Stromimpuls in einem Computer. Das
Zeichen ist die immaterielle Repräsentation, nämlich der Inhalt der Information.
Das Signal kann weiter unterteilt werden in eine analoge und digitale Codierung.
Codierungsformen eines Signals sind z.B. Buchstaben, dezimale Zahlen, mehrere Töne mit
verschiedenen Tonhöhen, Morsecode usw.
Signale und Zeichen werden durch einen Kommunikationskanal übertragen. Dieser hat eine
beschränkte Kanalkapazität, d.h. die höchstmögliche Menge an Informationen pro Zeiteinheit,
die durch den Kanal übertragen werden können, ist begrenzt . Wird durch den Kanal das
ursprüngliche Signal fehlerhaft, spricht man von Störung (Rauschen).
Der Kommunikationsprozeß hat einen Sender und einen Empfänger. Sind Menschen im Spiel,
spricht man von Kommunikator und Rezipient. Man unterscheidet einseitige und zweiseitige
Kommunikation. Informationsübermittlung kann aktiv(durch Nachfrage) oder passiv(durch
Belieferung) erfolgen. Man spricht von Pull und Push.
Im Militärwesen spricht man bei der einseitigen Kommunikation einerseits von Führungsweg,
andererseits von Meldeweg. Eine Stelle zur Meldungsannahme ist der Meldekopf.
Die Bedeutung einer Information entsteht durch den Interpretationsprozeß innerhalb von
Kommunikator oder Rezepient.
Wichtige Begriffe der Informationstheorie sind:
-Informationsentropie ist der mittlere Informationsgehalt eines Symbols.
-Redundanz, ist das das Auftreten von doppelten Informationseinheiten, oft genutzt zum
Ausgleich von Übertragungsfehlern.
-Kleinste Informationseinheit ist das bit (binary digit). Es transportiert z.B. die Aussage Ja
oder Nein, Strom oder Nicht-Strom, Null oder Eins usw.
-Ungewißheit ist das Informationsgefälle, daß sich zwischen Sender und Empfänger befindet
und den Kommunikationsprozeß auslöst und erst sinnvoll macht.
-Das Informationsparadoxon wird beschrieben wie folgt: Eine Bewertung von Information
setzt deren Kenntnis voraus. Bei Kenntnis der Information ist der Tranfer der Information
abgeschlossen. Eine Information muss also dann nicht mehr erworben werden. (siehe: Stock,
S. 38, aus Picot/Scheuble 1997 S. 16). Daraus folgt, daß Information meist ein Vertrauensgut
ist, dessen Bewertung zur Beurteilung des Tauschwerts indirekt durch die Einstufung der
Qualität und Quantität der Quelle erfolgt.
Die Informationshierarchie
Informationen können nun nach Komplexität und Bedeutung geordnet werden. Die Tabelle ist
zusammengestellt aus der Literatur von Lux, S. 17ff,
Zeichen
Daten
Information
Wissen
Intelligenz
Zeichen und Daten können maschinell verarbeitet werden.
Leonard M. Fuld (Fuld, S. 24) setzt zwischen Information und Intelligenz nicht Wissen,
sondern Analyse. In der Literatur wird manchmal die Information als komplexer beschrieben
als das Wissen (Kuhlen, S. 34). Dies liegt daran, daß hier der Prozeßcharakter der sozialen
Übermittlung hervorgehoben wird. Kuhlen spricht so von Information, die Wissen in Aktion
darstellt. Handlungsrelevantes und zweckorientiertes Wissen ist also im Mittelpunkt der
Betrachtung.
Die Elemente setzt jeweils unterschiedliche Formen der menschlichen Unterscheidung voraus
(Lux, S. 20):
Daten: Beobachten
Information: Erkennen
Wissen: Kennen und Können
Intelligenz: Reflexion und Lernen
Weitere Transformationen der einzelnen Elemente sind nach einer Grafik von Christian Lux
und Thorsten Peske
(Lux, S. 18):
Zeichen/Signal zu Daten: Einführung einer Syntax,
Daten zu Info: Einführung einer Semantik,
Info zu Wissen: Vernetzung und Pragmatik
Syntax hier die Beziehung eines Zeichens zu einem anderen Zeichen, Semantik die
Beziehung der Daten zu dem, für das sie stehen (also zum Objekt) und bedeutet die
Beziehung der Informationen zu dem Benutzer (also zum Subjekt).
Wissen unterscheidet sich von Information dadurch, daß Wissen soziales Handeln ermöglicht
und damit einen sozialen Nutzen hat. Dies gilt im verstärkten Maße für die Intelligenz.
Da eine Abgrenzung der verschiedenen Elemente der Informationshierarchie oft nicht
möglich ist, da es sich um innere kognitive Prozesse des Menschen handelt, wird in diesem
Werk nur dann eine Unterscheidung getroffen, wenn es wirklich aus inhaltlichen Gründen
notwendig ist. Im folgenden gilt also, daß Information implizit Daten, Information, Wissen
und Intelligenz bedeuten kann.
Eine andere Darstellung der Informationshierarchie und ihrer Elemente kann so
erfolgen:
Daten
Übergang:Bearbeitung
Informationen
Übergang: Kongnition
Wissen
Übergang: Urteil
Verständnis
Daten bestehen aus rohen Zeichen. Informationen sind übersetzte, graphisch
dargestellte und untereinander in Beziehung gesetzte Daten. Wissen entsteht durch
Bewertung, Integration und Analyse. Verständnis ist ein Ergebnis von Synthese und
Visualisierung.
Aufklärungsarbeit endet nicht bei der Erstellung von Informationen, sondern soll
Wissen bereitstellen und Verständnis fördern.
Methoden der geistigen Informationsverarbeitung
Deduktion (Ableitung von Einzelaussagen aus einer generellen Aussage)
Induktion (Konstruktion einer generellen Aussage aus Einzelaussagen)
Rekursion (Rückbezüglichkeit, Selbstbezüglichkeit)
Erzeugung von Linearität (Bildung von Informationsketten)
Alltagskriterien der Information
Es sind hauptsächlich:
Zuverlässigkeit
Nützlichkeit
Handlungsrelevanz
Aktualität
Vollständigkeit
Kosten
Wissenschaftliche Kriterien von Information
Dies ist zum einen die Validität, mit der die Genaugikeit des Meßverfahrens beschrieben
wird, andererseits die Reabilität, mit der beschrieben wird, ob das, was gemessen werden soll,
auch gemessen wird.
Beurteilung von Information
Folgende Kriterien (Stock, S. 31, aus: Augustin 1993, S. 28) gelten für die Einschätzung und
Beurteilung von Informationen:
-Aktualität
-inhaltliche Wahrheit
-formale Relevanz
-verwendungsgerechte Form
Da Informationen oft Vertrauensgüter sind, spielt die Zuverlässigkeit der Quelle indirekt auch
eine Rolle.
Information als Wirtschaftsgut
Dr. Wolfgang G. Stock (Stock, S. 36 f) schreibt der Information folgende wirtschaftlich
relevante Eigenschaften zu:
Informationsproduktion und -bearbeitung ist Arbeit
Informationen haben einen Nutzen, der Gebrauchswert schwankt allerdings je nach
Konsument
Die Wertgroße läßt sich bei der Produktion ermitteln
Informationen haben je nach Verbreitungsgrad einen Tauschwert
Vergleich von Materie und Information
Information Materie
-immateriell -materiell
-leicht kopierbar -schwer kopierbar
-leicht transportierbar -schwer transportierbar
-leicht zu speichern -schwer zu lagern
-schnelle Übertragung -schwere Übertragung
-Ortsungebundenheit -Ortsgebundenheit
-Gemeingutcharakter -Eigenschaften von Eigentum und Besitz
-leichter Wertverlust über die Zeit -Wertbeständigkeit über die Zeit
-leicht zu Negieren -schwer zu Negieren
Zusätzlich schreibt Lux (S. 21):
-Wertgewinn durch Teilung -Wertverlust durch Teilung
-schwerer Datenschutz -leichte Schutzmöglichkeit
-Wert subjektiv ermittelbar -Wert objektiv ermittelbar
-Kosten schwer zu ermitteln -Kosten leicht zu ermitteln
-schwere Bestandsbewertung -leichte Bestandsbewertung
-Theorie- und Modelldefizit -Theorien und Modelle verfügbar
.
Ordnung von Informationen
Informationen werden mit Hilfe von Klassifikationen (DIN 32705,2) und Thesauren (DIN
1463/1,2) geordnet . Klassifikationen verwenden ein von der natürlichen Sprache
unabhängiges System von Klassen, deren Repräsentation die Notationen sind. Thesauri sind
im Unterschied dazu Zusammenstellungen von Begriffen, die der natürlichen Sprache und
deren Zusammenhänge entnommen sind (Stock, S. 59).
Zwischen Begriffen können zur Bildung von Systemen Relationen aufgestellt werden. Es
können folgende Relationen aufgestellt werden (Stock, S. 60 ff).
-Hierachierealationen: Begriffe werden zueinander durch Ober- und Unterbegriffe in Relation
gesetzt
-Assoziationsrelationen: hier werden die Begriffe unabhängig von Hierarchierelationen in
Beziehung zueinander gesetzt.
Es können nach aufgezählt werden (Stock, S. 62, aus DIN 2331,3):
-Nachfolgerelation (Vorgänger-Nachfolger)
-Kausalrelation (Ursache-Wirkung)
-genetische Relation (Produzent-Produkt)
-Herstellungsrelation (Material-Produkt)
-Transmissionsrelation (Sender-Empfänger)
-instrumentelle Relation (Werkzeug-Anwendung des Werkzeugs)
-funktionelle Relation (Argument-Funktion)
-Ähnlichkeitsrelation
-Antonymie-Relation (Gegensätze)
Übliche Ordnungskriterien sind:
-Quelle (Autor, Verlag)
-Titel
-Zeit der Erstellung
-Ressort
-Ort der Erstellung
-verwendete Sprache
-Datenformat (z.B. Powerpoint, PDF)
Subjektive Wahrnehmung von Informationen
Nach Galtung /Ruge 1965 (siehe Noelle S. 331) gibt es folgende „Nachrichtenfaktoren", die
von wahrnehmungspsychologischer Bedeutung sind:
-Frequenz (Entsprechung Nachrichtenproduktion zu Ereignis)
-Schwellenfaktor (absolute Intensität, Intensitätszunahme)
-Eindeutigkeit
-Bedeutsamkeit (kulturelle Nähe/Betroffenheit, Relevanz)
-Konsonanz (Erwartung, Wünschbarkeit)
-Überraschung (Unvorhersehbarkeit, Seltenheit)
-Kontinuität (Vorheriges Auftreten in Veröffenlichungen)
-Variation
-Bezug auf Elite-Nation
-Personalisierung
-Negativismus
Die Nachrichtenfaktoren zeigen, daß Informationen oft stark subjektiv gefärbt sind. So
können sie in der Analyse dienlich sein, um schließlich Objektivität zu erreichen.
Andererseits stellen sie wichtige Kriterien für die Erstellung von Probaganda da.
Objektivität von Informationen
Objektivität wird definiert duch Realitätsbezogenenheit und/oder durch sozialen Konsens.
Epistemologische Skala der Information
Rainer Kuhlen verwendet in seinem Werk „Informationsmarkt, Chancen und Risiken der
Kommerzialisierung von Wissen" folgende Skala:
-Wahre Aussage
-Gesicherte Aussage
-empirisch evidente Aussage
-plausible Aussage
-Annahmen
-Vermutungen
-Meinungen
-falsche Aussagen
Aus der Liste folgt, daß der Begriff Information keine Aussage über den Wahrheitswert
macht.
Plausible Ausagen spielen im nachrichtendienstlichen Bereich eine besondere Rolle, da sie
sich gut für die Tarnung und Täuschung eignen. Es ist dann in diesem Zusammenhang von
einer Ableugnungsmöglichkeit die Rede. Plausible Aussagen sind einerseits nicht
offensichtlich genug, um einen Gegenbeweis zu führen, andererseits ist eine ausreichende
Glaubwürdigkeit garantiert.
Nach Emanuel Kant gibt es die Unterscheidung in
Meinen
Glauben
Wissen
Informationsbedarf
Bedarf ist ein mit Kaufkraft ausgestattetes Bedürfnis, da auf dem Markt als Nachfrage auftritt
(Meyer, S. 116). Bedarf ist ein objektives Kriterium. Bedarf ist abhängig von (Kuhlen, S.
345):
-Angebot
-Relevanz
-Notwendigkeit
-Verfügbarkeit
Informationsbedürfnis
Ein Bedürfnis ist die Empfindung eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch ihn zu beheben
(Meyer, S. 117). Bedürfnis ist ein subjektives Kriterium. Es kann unterschieden werden nach
(frei nach: Noelle S. 164 f, aus: McQuail (1983,82 f. ):
Informationsbedürfnis
-Orientierung
-Ratsuche
-Neugier/Interesse
-Weiterbildung
-Streben nach Sicherheit
Bedürfnis nach persönlicher Identität
-Stärkung persönliche Werthaltung
-Suche nach Verhaltensmodellen
-Identifikation mit anderen
-Selbstfindung
Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion
-soziale Empathie
-Zugehörigkeitgefühl
-Grundlage für Gespräch und Identifikation
-Hilfe bei der Annahme sozialer Rollen
-Kontakt zu Familie, Freunden und Gesellschaft finden
Unterhaltungsbedürfnis
-Wirklichkeitsflucht/Ablenkung von Problemen
-Entspannung
-kulturelle und ästhetische Erbauung
-Zeit füllen
-emotionale Entlastung
-sexuelle Stimulation
Die oben aufgezählten Unterscheidungen lassen sich nun systematisch für die
Gesprächsaufklärung nutzen. Es sind relevante Gründe für die Aufnahme und Fortführung
eines Gesprächs durch die Quelle. Weiterhin ermöglichen sie dem Gespächsaufklärer zu
analysieren, ob und wie eine Gesprächslenkung von Nöten ist.
Grundlagen der Auswertung
Gründe für die Informationsvermittlung
Reiner Kuhlen (Kuhlen, Rainer, S. 259) zählt auf:
-hoher Aufwand für direkten Kontakt zum Wissensproduzenten
-Wissensproduktion ist in ihrer Gesamtheit zu umfangreich
-Überblick über Publikations- und Verteilformen ist zu umfangreich
-Wissensressourcen benötigen schwer beherrschbare Technologien
-interdiszipliäres Arbeiten ist von Nöten
-Wissen ist für den Endbenutzer nicht in der richtigen Form vorhanden
-Aufwand, den Stand es Wissens zu verfolgen, ist zu hoch
-Endnutzer können Problem nicht gut genug spezifizieren
-Sprachbarrieren
Grundlagen der Informationsbeschaffung
Grundsätzlich wird unterschieden in
-Sammlung
-Beschaffung.
Sammlung meint das routinierte Einsammeln von Informationen an schon vorher bekannten
Orten aus (allgemein) zugänglichen Quellen. Sie erfolgt im Allgemeinen diskret. Beispiel ist
die Nutzung von öffentlichen Bibliotheken und Archiven.
Eine Ausnahme macht die Definition im Rahmen des bundesdeutschen
Verfassungsschutzgesetzes, wo von Sammlung die Rede ist, aber auch die Beschaffung
gemeint ist.
Beschaffung meint die mit hohem Aufwand und oft auch mit Risiko verbundener Transfer
von Informationen. Sie erfolgt im Allgemeinen diskret und konspirativ. In einer Operation
müssen dann Aufklärungsziel, Quelle und Mittel aufeinander abgestimmt werden.
Beispiele für eine Beschaffung mit hohem Aufwand und keinem Risiko ist die
Satellitenaufklärung, Beispiel einer Beschaffung mit hohem Aufwand und hohem Risiko ist
der Einsatz von Agenten im Ausland.
In diesem Werk ist oft von Beschaffung die Rede, da gemeinhin die Sammlung von
Informationen in dem Begriff mit eingeschlossen ist.
Beim Bundesnachrichtendienst wird hinsichtlich der Informationsbeschaffung folgende
Möglichkeiten unterschieden:
-technisch
-operativ
-rezeptiv
-offen
Phasen der Informationsbeschaffung (militärisch)
Es gibt folgende Phasen der Beschaffung: Weisung, Erfassung, Sichtung und
Meldungserstattung/Übermittlung.
Weisung: Ausrichtung der Erfassungsbemühungen auf bestimmte Informationen.
Erfassung: Nutzung aller verfügbaren Informationen durch die Beschaffungsstelle,
wobei gleichzeitig Initiative und Phantasie für die Forschung nach neuen Quellen
entwickelt werden soll.
Erste Sichtung: Dient dem eigenen Informationsstand, soll aber auch, wo notwendig,
Zusammenfassen oder Material ausschließen, da nicht danach gefragt wurde.
Meldungserstattung/Übermittlung: Weiterleitung der rohen Informationen.
Organisation der Informationsbeschaffung (militärisch)
Bei Aufklärungsforderungen, die sehr nach Einzelheiten fragen, umfangreich sind
oder schwer zu erfüllen sind (hohes Risiko), ist ein Beschaffungsplan zu erstellen.
Fortlaufende Beschaffung ist notwendig, damit die Informationen vollständig sind.
Koordination mit anderen Beschaffungsstellen ist notwendig, um vollständige
Informationen zu erhalten, doppelte Arbeit zu vermeiden und Verwechslungen zu
vermeiden. Die Beschaffungsmethoden können von offen bis konspirativ reichen,
wobei überwiegend offene Forschung betrieben wird.
Phasen der Auswertung
Zur Auswertung in einem Nachrichtendienst gehört dann nach Walde (Walde S. 32 ff):
-Informationsbewertung (Beurteilung von Zuverlässigkeit und Wahrheitsgehalt)
-Informationszerlegung (Analyse, Sortierung, Aufschlüsselung)
-Informationsauslegung (Interpretation, Integration in den Erkenntnisstand)
-Verteilung
In dieser Aufzählung fehlen dann allerdings folgende Punkte:
-texuelle Verdichtung / Zusammenfassungen
-statistische Verdichtung
-Übersetzungen
-Filterung
-Aggregation
-neue Informationen generieren
-graphisch-visuelle Aufbereitung
Die Organisation von CI und militärische/nachrichtendienstliche Aufklärungsarbeit
Informationsaufkommen (nachrichtendienstlich)
Mit dem Begriff des Informationsaufkommens wird das Aufkommen und die Anzahl der
verwendeten Quellen sowie deren Informationen im Verhältnis zueinander für einen
bestimmten Zeitraum und eine bestimmte Stelle oder Organisation beschrieben.
Durchschnittlich kann für den nachrichtendienstlichen Bereich angenommen werden, daß
etwa 90 % der Quellen offen sind, und der Rest des Informatinsaufkommens aus nicht-
offenen Quellen besteht.
Zyklus der Aufklärungsarbeit (Intelligence Cycle)
Informationen werden in einem organisatorischen Prozeß (CI und
militärische/nachrichtendienstliche Aufklärung) bearbeitet. Die dabei übliche Ablaufplanung
(Lux, S. 76 und S. 161) teilt sich in folgende Schritte, die sich in einem immerwährenden
Kreislauf anordnen:
Planning and Direction (Planung und Führung)
Collection (Sammlung und Beschaffung)
Processing (?)
Analysis and Production (Verdichtung, Einordnung, Bewertung, Analyse, Interpretation,
Vergleich, Integration)
Dissemination. (Verteilung)
In anderer Literatur werden die Begriffe Processing und Production als gleichbedeutend
gehandelt, wobei Processing der NATO, Produktion der USA zugeordnet wird (Walde, S. 32)
In der englischen Literatur wird dieser Kreislauf als Intelligence Cycle bezeichnet. Im
deutschen militärischen Gebrauch hat sich der Ausdruck „Zyklus der Aufklärungsarbeit"
eingebürgert.
Im militärischen und nachrichtendienslichen deutschen Sprachgebrauch wird der Zyklus meist
vereinfacht dargestellt, nämlich als Abfolge von Beschaffung und Auswertung.
Der Zyklus der Aufklärungsarbeit kann auch die alltägliche und praktische Arbeit
eines Nachrichtendienstes beschreiben (unter besonderer Berücksichtigung von
SIGINT), so hier die Schritte von der Planung bis zur Verteilung (Interception (?) ):
1.) Planung: Festlegung der Bedürfnisse der Konsumenten. Zerlegung der
Bedürfnisse in benötigte Daten sowie in erreichbare Aufgaben. Festlegen von
Prioritäten. Ausrichtung von Analyse und Berichterstattung. Statistische Darstellung
der Qualität der Produkte. Sind die Ziele bereits ausgewählt, können neue
Aufklärungskapazitäten entwickelt werden, basierend auf dem Typ der Information,
der benötigt wird, Empfindlichkeit/Zugänglichkeit des Ziels hinsichtlich der
Beschaffungstätigkeit und schließlich der Effektivität der Beschaffung.
2.) Zugriff und Sammlung: Quellen (Kommunikationssysteme) werden unterteilt nach
dem Aufwand (ungewöhnliche, teure, zudringliche Methoden), der benötigt wird, um
auf sie Zugriff zu erlangen. Physikalische Gegebenheiten einer Quelle
(Kommunikationssystems), damit keine Informationen bei dem langsameren
Trennungsprozess, der gewöhnlich automatisch erfolgt, verloren gehen.
3.) Verarbeitung: Hier werden die gesammelten Informationen in eine für die Analyse
brauchbare Form (Produkt) umgewandelt. Eingehende Informationen werden
normalerweise in eine standartisierte Form gebracht, in der die technischen
Eigenschaften und die zur Nachricht (oder dem Signal) zsind gewöhnlich unabhängig
von dem Typ der Information, der transferiert wird. Eine Trennung von interessanter
und uninteressanter Information muss teilweise schon bei der Sammlung
sichergestellt werden. Informationen werden zeitweise
zwischengespeichertugehörigen Informationen (z.B. Telephonnummer) eingetragen
sind. Eine (frühzeitige) "Fallnotierung" enthält: von der Sammlung betroffene
Nationen, Klasse der Kommunikation (wirtschaftlich, diplomatisch, politisch usw.),
Type des Kommunikationssystems (z.B. multi-channel), die spezielle Verbindung
oder Netzwerk. Zur Verarbeitung gehören auch Entschlüsselung, Übersetzungen
und Zusammenfassungen.
4.) Produktion und Verteilung: Produktion beinhaltet Analyse, Bewertung,
Übersetzung und Interpretation von rohen Daten in ein fertiges Produkt. Ein solcher
endgültiger Bericht kann aus rohen Nachrichten, Zusammenfassungen,
Kommentaren oder umfassender Analyse bestehen. Die Verteilung der Produkte ist
stark eingeschränkt, um dem Gegner keine Anhaltspunkte für eigene Schwachstellen
zu liefern.
Faktoren der Informationsbeschaffung im gesellschaftlichen Kontext
Fuld (Fuld, S. 31 f) unterscheidet fünf Faktoren von Intelligence, die Umweltfaktoren einer
Firma darstellen und Wirkung auf die Informationsbeschaffung haben.
Es sind:
-Regionalität
-Dynamik
-Regulation
-Konzentration
-Integration.
Regionalität bedeutet die räumliche Nähe zwischen Quelle und Beschaffer. Je größer der
Abstand, desto schwieriger ist die Informationsbeschaffung. Dynamik bedeutet die Aktivität
der Quelle. Je aktiver die Quelle, desto einfacher die Informationsbeschaffung. Regulation
bedeutet das Vorhandensein von Vorschriften hauptsächlich staatlicherseits. Je mehr
Regulation besteht, desto einfacher ist die Informationsbeschaffung. Konzentration bedeutet
die Dichte der Quelle in der Gesellschaft. Je höher die Konzentration, desto einfacher ist die
Informationsbeschaffung. Integration bedeutet eine starke Verknüpfung zwischen Quelle und
ihren benachbarten Einheiten. Je höher die Integration, desto schwieriger ist die
Informationsbeschaffung (Fuld, S. 31 f).